Lichtkokon
Als du gingst,
da nahmst du Licht mit.
Geboren aus meinem Herzen,
genährt von meiner Liebe.
Seitdem ertrage ich nur Dunkelheit,
nachts mit geschlossenen Augen.
Bewegungslos. Still.
Umhüllt von dunkler Monotonie.
Gedanken.
Sog einer Spirale.
Gedankenspirale.
Gedanken versus dunkle Monotonie.
Eine weitere Nacht vollendet,
auch diese mündet in neues Leben.
Ein neuer Tag,
Angst vor dem Licht, denn meines ging mit dir.
Ich gehe meinen Pflichten nach,
Bewegung, Nahrung, Kontakt.
Nur eines kann ich nicht:
Meine Augen bleiben zu, sie ertragen keine Helligkeit.
Und da schleicht sich das Wunder ein,
zart und unverhofft.
Als mein Schmerz gehalten wird,
ich tiefer gehen darf.
Unmittelbar als ich mein Herz berühre,
meinen inneren Garten betrete,
erscheint ein gleißendes Licht,
umrahmt mich, bettet mich ein.
Mein Atem stockt,
Ende der Gedankenspirale.
Überraschung, Aufmerksamkeit.
Was ist es, was mich hier umhüllt?
Das Licht wird immer weißer,
immer heller,
strahlender als alles, was ich bisher kannte,
nimmt mich vollkommen ein.
Eine nicht zu leugnende Präsenz,
sicher, warm und rein.
Die Ratio endet,
ich lasse mich fallen in mein Sein.
Lieber Lichtkokon,
du kamst zur rechten Zeit,
hast etwas Engelhaftes,
erinnerst mich an Liebe.
Du schenktest mir eine leere Stunde,
frei von Last, Schmerz und Angst,
getragen und umsorgt,
wie von Mutter Erde.
Und ein Kokon bedeutet auch immer eines:
Ich wachse und ich reife,
geschützt von einem Lichtkokon,
bis ich bereit bin, geboren zu werden.
Lara Markgraf